Der Zustand der Welt am 8. März ist nichts zum Feiern. Völkermord. Die USA und Israel greifen den Iran an. Die faschistische AfD gewinnt immer mehr Zulauf in Deutschland. Die Welt brennt. Unsere einzige Hoffnung ist, uns zu organisieren. An diesem Tag gedenken wir dem Widerstand, den FLINTA*-Menschen in ihrem Alltag leisten – überall auf der Welt.

Black Radicals:
Normalerweise sprechen wir bei feministischen Demos über unsere Hoffnungen, unsere Rechte und unsere Forderungen nach Befreiung – für Frauen und alle Menschen.
Heute machen wir etwas anderes: Wir holen die Leichen aus dem Keller. Wir sprechen über unsere Schwächen. Dafür müssen wir zuerst anerkennen, dass die feministische Bewegung nicht immer eine radikale war.
Sie hat Eugenik befürwortet und dafür gekämpft. Sie hat die Rassifizierung von Migrant*innen vorangetrieben. Sie hat die Expansion des Empires unterstützt. Das heißt:
Kämpfe um Geschlecht waren immer mit Kämpfen um Rasse verbunden – und der Feminismus hat diese Verbindung meistens zum Schlechten genutzt.
Einer der inspirierendsten Feministinnen war Frederick Douglass. Er wurde verspottet als „Mann der Frauen“. Aber er verstand die Verbindung zwischen Rasse und Geschlecht genau. Sein Handeln brachte versklavte Menschen und Frauen unter dem Patriarchat zusammen – in Solidarität gegen das weiße Elite-Patriarchat.
Leider ließ sich die feministische Bewegung, wie viele nach ihm, von den Privilegien des weißen Patriarchats verführen und verriet den Geist des verbundenen Kampfes.
Diese Geschichte ist nicht abstrakt. Sie betrifft uns hier in Deutschland heute. In den 1960er, 1970er und 1980er Jahren hatten feministische Gruppen in Deutschland erneut die Chance, sich mit den rassifizierten Gastarbeiter*innen zu solidarisieren. Beide wurden vom Staat und von den Privilegien des weißen Patriarchats unterdrückt.
Trotzdem stellten sich feministische Bewegungen entschieden auf die Seite der relativen Privilegien des Patriarchats. Die Folgen sehen wir heute: Selbsternannte Feministinnen nutzen ihre weiße Weiblichkeit – nicht nur um die Rassifizierten zu verraten, sondern um die Vernichtung ganzer rassifizierter Bevölkerungen im Globalen Süden zu rechtfertigen. Namentlich: in Palästina.
Folgen wir den Fußstapfen des Schwarzen Radikalen Frederick Douglass. Lasst uns – die Rassifizierten – Hand in Hand gehen mit den Vergeschlechtlichten und Queers, in Solidarität unserer verbundenen Unterdrückung.
Und lasst uns die Privilegien des weißen Patriarchats verraten. Das Patriarchat bietet Feministinnen Privilegien an. Aber was sind Privilegien angesichts der Befreiung? Krümel.
Tadamun:
Wir wollen heute ein Gedicht von Rohey vorlesen. Sie ist eine wundervolle gambische Schriftstellerin und lebt und kämpft in Freiburg:
Unsere Herzen brennen im Monat der Barmherzigkeit.
Wir baten um nichts als gemeinsam in stillen Küchen in der Dämmerung essen zu können, leise Gebete in der Nacht, Datteln, geteilt zwischen geliebten Händen.
Wir baten nicht um Gold, wir baten nicht um Geschenke, wir baten um Gerechtigkeit und Frieden.
Stattdessen Sirenen, Bomben und Rauch.
Eltern, die in Trümmern graben und finden, was niemand jemals finden sollte.
Warum brennt der Himmel im heiligsten Monat?
Warum holt uns die Trauer genau dann ein, wenn wir versuchen, unsere Herzen zu reinigen?
Wenn eine von uns erzittert, fühlen wir es alle.
Wenn eine Mutter weint, sollte die Welt mit ihr weinen.
Wir feiern eure Feiertage, wir wünschen euch Wärme, Freude und Sicherheit.
Warum können wir unser Fasten nicht brechen, ohne innerlich zu zerbrechen?
Was ist mit Menschlichkeit?
Ist sie unter dem Staub begraben?
Haben wir vergessen zu atmen?
Unsere Herzen brennen – aber sie brennen, weil sie noch immer daran glauben, dass wir für Gerechtigkeit und Frieden kämpfen können.
Vielen Dank fürs Lesen.

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